Im 1902 entstandenen Traumspiel greift Strindberg die Frage nach dem Sinn menschlichen Leidens auf. Die Darstellung der Unausweichlichkeit von Enttäuschungen und Leid im menschlichen Leben und Zusammenleben, geprägt von einem mitleidsvollen Verständnis, wird zum Thema des Werks, in dem Strindberg implizit auch seine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen menschlicher Verantwortung und metaphysischer Determination fortsetzt. Wobei neben dem weinenden Auge auch niemals das lachende Auge vergessen wird.
Er schildert den Abstieg von Agnes, der Tochter des Gottes Indra, aus den himmlischen Regionen in die schwere und drückende Atmosphäre der Erde. Sie erhält von Indra den Auftrag, herauszufinden, ob die Klagen der Menschen über ihre Existenz berechtigt sind. Als Beobachterin und selbst menschliches Schicksal Erleidende sammelt Agnes dann Erfahrungen und Einsichten in die Bedingungen und Abläufe menschlicher Existenz, in der das Glück des einen unweigerlich mit dem Unglück eines anderen verknüpft und Streit und Uneinigkeit unausweichlich zu sein scheinen.
Aufführungen am 16., 17. und 18. Juli jeweils um 19:30 Uhr im Saal der AMV Fridericiana, Glückstraße 3.
Indra | Klaus-Dieter Schuh |
Indras Tochter (Agnes) | Thomas Renner |
Der Glasermeister | Alex Brandl |
Der Offizier | Annika Aue |
Die Mutter | Maren Krohne |
Der Vater | Michael Easy Wieserner |
Lina | Anna Hampel |
Die Pförtnerin | Tanja Hackenberg |
Die Weinende | Katia Carel |
Der Plakatankleber | Susanne Weingärtner |
Victoria | Miriam Schuppert |
Das Ballettmädchen | Carolin Strobl |
Der Chorist | Anna Al-Naseri |
Der Souffleur | Julian Schuppe |
Ein Polizist | Carolin Strobl |
Der Advokat | Tonja Preuß |
Der Quarantänemeister | Ulrike Drechsler |
Der Don Juan | Moritz Helgath |
Der Dichter | Johann Pfeiffer |
Er | Julian Schuppe |
Sie | Susanne Weingärtner |
Magister | Anneke-Ulrike Steffen |
Der Pensionär | Corina Nötzold |
Edit | Anna Al-Naseri |
Alice | Anna Hampel |
Ein Seeoffizier | Daniel Rothenbücher |
Der Blinde | Klaus-Dieter Schuh |
Erster Kohlenträger | Julian Schuppe |
Zweiter Kohlenträger | Moritz Helgath |
Der Universitätskanzler | Corina Nötzold |
Dekan der Theologischen Fakultät | Alex Brandl |
Dekan der Medizinischen Fakultät | Daniel Rothenbücher |
Dekan der Philosophischen Fakultät | Michael Easy Wieserner |
Dekan der Juristischen Fakultät | Tobias Dehm |
August Strindberg | Mareike Schulz |
Probenbegleitung | Julian Schuppe |
Regieassistenz | Lilia Kress |
Licht und Ton | Ralf Engelbrecht |
Bühne und Kostüme | Ensemble |
Inszenierung | Mario Matthias |
Die Erlanger Nachrichten urteilten am 22. Juli 2010 im Kulturteil so:
Alles Banane oder was? Man sitzt im Saal der AMV Fridericiana in der Glückstraße zunächst vor einer raumhohen Bananenkisten-Wand. Begrenzter Raum, begrenzter Lebensraum – trotzdem die Wand ziemlich schnell abgebaut wird, dienen ihre einzelnen Bausteine auch im weiteren Verlauf als hin und her geschichtete Versatzstücke aus dem Steinbruch des menschlichen Lebens. Wie geträumt das alles – aber auch kein Wunder, denn das AMVi-Theater Erlangen präsentierte schließlich „Ein Traumspiel“ von August Strindberg.
Vorhang – respektive Wand – auf zum surreal-schrägen Männleinlaufen, zur verspielten Sinnsuche-Farce, zur wild gespielten Träumerei. Heftigst episodisch und einfallsreich kostümiert entfalten die Akteure ein engmaschiges, fragmentarisches Schaustück, dessen höchst unterschiedliche Protagonisten – trotz oftmals knappster Skizzierung – beeindruckend entworfene Eigenleben führen. Hier sind die Menschen brutal auf sich selbst zurückgeworfen, kreisen um sich selbst, harren aus oder stellen Fragen. Manches wird breiter ausgespielt, manches huscht einfach vorbei. Die Stück gewordene Logik eines Traums, aber einer mit zentraler Fragestellung: Was ist der Sinn der Existenz?
Regisseur Mario Matthias hat eine tolle Truppe zur Hand, die alle dramaturgischen wie stilistischen Mittel fest im Griff hat: Vom intensiven Drama bis zum völlig losgelösten Tohuwabohu können diese Hobby-Mimen alles. Selbst profundeste Persiflage-Typen inklusive Satire-Stacheln (die diversen Fakultäts-Dekane!) haben sie drauf. Und wie in einem Traum bleibt stets eine immerwährende Rätselhaftigkeit bestehen in diesem, fast schon metaphysischen, Reigen menschlichen Leids.
Strindberg trifft Freud.
Manfred Koch, Erlanger Nachrichten vom 22. Juli 2010
Sehr viele Fotos finden sich in unserem Online-Album.