Theater im Sommersemester 2003

Werbehandzettel für „Unsere kleine Stadt“

Es wird Unsere kleine Stadt von Thornton Wilder gegeben. Das Stück, das zuweilen zum „epischen Theater“ gezählt wird, schildert den Alltag in einer beliebigen, durchschnittlichen Kleinstadt in New Hampshire zu Beginn dieses Jahrhunderts in drei Akten: Vorstellung der Personen, Beziehungen und Eheschließung der nachwachsenden Generation sowie Tod und Grablegung einzelner Protagonisten. Der dritte Akt läßt dabei die in den dreizehn Jahren des fiktiven Ablaufs verstorbenen Bürger der Stadt wieder auftreten und ihre innere Distanz zum Treiben der - noch - Lebenden darstellen. Hier eröffnet sich die traurige Erkenntnis über die Verschwendung der knappen Lebenszeit für die Nichtigkeiten des Alltags, die wahre Beziehungen zwischen den Menschen nicht zulassen. Da muß selbst der verzweifelte Versuch einer jung Verstorbenen scheitern, noch einmal einen beliebigen Tag ihres Lebens nachträglich bewußt und glücksbringend nachzuerleben. (nach: http://www.egotrip.de/kultur/klstadt.htm)

Der Autor

Thornton Wilder (1897-1975, Amerikaner), Sohn eines Zeitungsbesitzers, der später in den diplomatischen Dienst ging. Verlebte einen großen Teil seiner Jugend in China. Einige Jahre „House Master“ (beaufsichtigender Lehrer) an einer Schule in New Jersey. Machte mehrere Europareisen, wirkte als Universitätslehrer. Bekannt vor allem durch Romane und Theaterstücke. (Nach: „Kulturbibliothek der klassischen Musik- und Theaterbibliothek. Schauspielführer“)

Auf und hinter der Bühne

Spielleiter Thomas Dinkel
Dr. Gibbs Jörg Auber
Mrs Gibbs Katja Bauer
George Gibbs Christian Kallenbach
Mr Webb Wolfgang Tiebel
Mrs Webb Ulrike Drechsler
Emily Webb Diana Kapfenberger
Willy Webb Stefan Schmid
Joe und Si Crowell Steffi Kornelsen
Howie Newsome Klaus-Dieter Schuh
Ms Corcoran Diana Kapfenberger
Simon Stimson Klaus-Dieter Schuh
Polizist Warren Ralph Werner
Louella Soames Anya Filipp
Joe Stoddard Ralph Werner
Mr Carter Stefan Schmid
Elisabeth Grover Claudia Rothmaier
Regie Christina Link
Souffleuse Agnes Krysinski
Technik Tobias Hopfner
Florian Stadler

Nach einer Vorankündigung am 8. Juli 2003 brachten die Erlanger Nachrichten am 12. Juli 2003 auch noch folgende Kritik:

Humorvolle Inszenierung

Fridericiana-Studenten spielen Thornton Wilders „Unsere kleine Stadt“

„Begreifen die Menschen jemals das Leben, während sie es leben - jeden, jeden Augenblick?“ fragt der Geist einer verstorbenen Protagonistin den Spielleiter, der außerhalb der gespielten Zeit steht und erwidert: „Nein. Die Heiligen und die Dichter vielleicht - bis zu einem gewissen Grade.“

Um die Vermittlung humanistischer Ideale und gesellschaftskritischen Gedankenguts geht es dem dreifachen Pulitzerpreisträger Thornton Wilder (1897-1975) in all seinen Dramen und Romanen. In ihrer aktuellen Sommersemester-Inszenierung präsentiert die Akademisch-Musikalische Verbindung Fridericiana in der Glückstraße 3 noch heute und morgen um 20 Uhr den Dreiakter „Unsere kleine Stadt“.

13 Schauspieler stellen zum Teil in Doppelrollen 13 Jahre aus dem Leben typischer Einwohner einer amerikanischen Kleinstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts dar. Moderiert und kommentiert werden Geschehen und Zeitsprünge von einem Figurentypus, der von Wilder ins moderne amerikanische Drama eingeführt wurde, vom „stage manager“, einem Spielleiter, der Illusionsunterbrechungen ermöglicht und zwischendurch anfallende Minirollen im Spiel übernimmt (Thomas Dinkel bewältigt hierbei eine beachtliche Monologmasse und kommt erst in der zweiten Spielhälfe so richtig in Fahrt).

Christina Links gelungene Inszenierung bringt die philosophische Aussage des Dramas durch humorvoll-skurrile Abstraktion über die Rampe, indem sie die Original-Regieanweisungen befolgt. Diese verlangen viel pantomimisches Spiel mit einem Minimum an Requisiten.

Überaus witzig gestaltet sind die verschiedenen Typen - eine Spezialität der AMV-Truppe nicht nur in diesem Stück. Ob die strebsame Haustochter sich plötzlich in eine diktatorische Lehrerin verwandelt (Szenenapplaus erntete Diana Kapfenberger) oder Klaus-Dieter Schuh ein Kabinettstückchen als einfältiger Landwirt wie auch als tragisch gescheiterte Künstler- und Trinkerseele abliefert - durch die gute Charakterisierung im Verein mit minimalistischer Ausstattung und originellen Details entsteht hier ein frech-experimentelles junges Theater, das im gut besuchten Verbindungshaus begeistert beklatscht wurde.

Natalie Bost

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Bilder von Stefan Nehrbauer; dankeschön!