Theater im Wintersemester 2000/01

Eine Über­sicht über die letz­ten Auf­füh­run­gen der The­a­ter­grup­pe fin­den Sie auf der The­a­tersei­te.

„Ein absurder Abend
mit einer Farce fon Fo
und irgendwas von Ionesco“

(„Leichen verschickt man, Frauen ziehen sich aus“
und
„Die kahle Sängerin“)

Zu den Autoren:

Dario Fo, geboren am 24. März 1926 in San Giano am Lago Maggiore, Todesdatum und -ort sind noch unbekannt, beginnt um 1952 mit seiner Theaterlaufbahn. Er gründet verschiedene Schauspiel-Ensembles, mit denen er seine Stücke als Hauptdarsteller und Regisseur aufführt. Seit 1973 arbeitet Fo wieder in Rom, ist aber auch häufig auf Reisen, um sein Theater zurück zum Volk zu bringen. Seine Theatertätigkeit, das Schreiben zahlreicher Stücke und Farcen hat ihm unter anderem den Nobelpreis für Literatur eingebracht.

Eugène Ionesco wurde am 26. November 1912 in Slatina, Rumänien, geboren. Als Sohn eines Rumänen und einer Französin pendelte er lange Zeit zwischen Frankreich und Rumänien hin und her, bevor er 1938 zum Studieren nach Paris ging. Er gilt, zusammen mit Samuel Beckett, als einer der Wegbereiter und Väter des absurden Theaters, das 1950 in Form der „Kahlen Sängerin“ seinen Weg auf die Bühne fand, wenn auch zunächst erfolglos. Eugène Ionesco starb am 28. März 1994 in Paris.

Zu den Stücken:

„Leichen verschickt man, Frauen ziehen sich aus“ ist eine rasante Farce, und daher ist es schwer möglich, eine Inhaltsangabe zu machen, ohne den Witz und den Zauber des Stückes zu zerstören. So viel sei verraten: Die Szene befindet sich in einem Kostümverleih, in dem sich Luigi und Franceska auf ihre Hochzeit vorbereiten wollen. Leichen tauchen auf und verschwinden wieder. Niemand ist das, was er zu sein vorgibt. Es gibt Liebe und Verrat, Intrige und Eifersucht, wilde Kämpfe und sentimentale Momente, also alles, was eine große Geschichte ausmacht, nur komprimiert auf eine halbe Stunde.

„Die kahle Sängerin“ bezeichnet sich selbst als Antistück, und so ist es auch hier schwierig, Auskunft über den Inhalt zu geben, da es auf den ersten Blick nichts dergleichen in diesem Drama zu finden gibt. Mr. Smith und seine Gattin haben ein befreundetes Ehepaar, die Martins, eingeladen, um mit ihnen zu Abend zu essen. Während man sich angeregt unterhält, schneit der Feuerwehrhauptmann herein und übernimmt nun seinerseits die Unterhaltung der Abendgesellschaft, indem er unglaubliche Geschichten aus seinem Leben erzählt.
Ionesco soll einen Teil der Dialoge aus einem Englisch-Sprachbuch entnommen haben, wodurch sich ein absurdes Gespräch, Small Talk in seiner reinsten Form, entspinnt.

Die Aufführungen

... fanden von 2.–5. Februar 2001 in der Glückstraße 3 statt. Es wirkten mit:

Francesca Bianca Fuchs
Luigi Quirin Guillery
Wachposten Christian Kallenbach
Attilio Bernasconi Klaus-Dieter Schuh
Leichenbestatter Robert Oschatz
1. Dame Ulrike Drechsler
2. Dame Diana Kapfenberger
Mrs Smith Ulrike Drechsler
Mr Smith Klaus-Dieter Schuh
Mrs Martin Diana Kapfenberger
Mr Martin Christian Kallenbach
Feuerwehrhauptmann Robert Oschatz
Dienstmädchen Bianca Fuchs
Regie Fabian Guillery
Souffleur Florian Stadler
Technik Tobias Hopfner

Absatztrenner

Und so urteilten die Erlanger Nachrichten am 7. Februar 2001:

Mordtaten in Serie

Zwei absurde Klassiker

Theatergruppe der AMV Fridericiana spielte Dario Fo und Eugène Ionesco

Verqueres im Doppelpack, oder: Farce und Farce verträgt sich gut – die Theatergruppe der musischen Studentenverbindung AMV Fridericiana hatte, traditionell zum Semesterschluß, in ihr Haus in der Glückstraße 3 zum Theaterabend geladen, der diesmal als „Absurder Abend“ daherkam. Man hatte auf eine sichere programmatische Bank gesetzt: Dario Fos komischer Einakter „Leichen verschickt man, Frauen ziehen sich aus“ und Eugène Ionescos sogenanntes „Antistück“ „Die kahle Sängerin“ sind solch veritable Klassiker aus dem absurden Bereich, daß eigentlich nichts schiefgehen kann.

Dem war generell auch so, wenn es auch feine qualitative Unterschiede in der Präsentation beider Stücke gab: Das Ensemble unter der Leitung von Fabian Guillery bekam Fo weit weniger gut in den Griff als Ionesco; die Einsätze im Fo-Stück waren, mit ihrer starken Hinwendung zum Comedy-Bereich, oft zu ungenau, etwas fahrig und unkonzentriert, die Inszenierung ließ die bei einer Farce ungemein wichtige scharfe Disziplin vermissen.

Ionesco dagegen war Vergnügen pur: Hier spielte das Ensemble wie aus einem Guß, schufen die Akteure nicht nur punktgenau kreierte Typen, sondern boten auch in den lauten, wildbewegten Momenten ein perfektes Zusammenspiel. Eine vorzügliche absurde und hochvergnügliche Unterhaltung.

m.k.