Theater im Wintersemester 1991/92

Eine Über­sicht über die letz­ten Auf­füh­run­gen der The­a­ter­grup­pe fin­den Sie auf der The­a­tersei­te.

„Die Kleinbürgerhochzeit“

Als erstes Stück wurde Die Kleinbürgerhochzeit von Bert Brecht gegeben: Der Einakter zeigt eine Hochzeitsfeier, die in der neuen Wohnung und unter Benutzung der selbstgefertigten Möbel des Paares stattfindet; am Ende ist nicht nur die Wohnung ein Schlachtfeld, sind die neuen Möbel kaputt, sondern auch die begonnene Ehe und die kommende Familie sind total desillusioniert. Das auf den ersten Blick lustig anmutende Stück entlarvt die einengenden Normen der bürgerlichen Gesellschaft als grotesk. (Quelle: Programmheft)

Die Braut Ulrike Arning
Der Bräutigam Christian von Normann
Der Vater Christoph Merklein
Die Mutter Sibylle Marschner
Der Freund Martin Niewerth
Die Schwester Emma Hodgson
Der junge Mann Matthias Nienhaus
Die Frau Anja Emmert
Der Mann Martin von Wolfersdorff
   
Regie Karin Schreibeis
Souffleur Horst Gwinner
Kulisse Matthias Nienhaus
Technik etc. Carsten Bokholt

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„Die bitteren Tränen der Petra von Kant“

Als zweites Stück wurde Die bitteren Tränen der Petra von Kant von Rainer W. Fassbinder gegeben: „Ich glaub', der Mensch ist so gemacht, daß er den andern Menschen braucht, doch hat er nicht gelernt, wie man zusammen ist.“

Petra von Kant Ute Kaufmann
Karin Thimm Sibylle Marschner
Marlene Anja Emmert
Sidonie von Grasenabb Alexandra Freidl
Gabi von Kant Pippa Copeman-Hill
Valerie von Kant Gordona Ancic
   
Regie Karin Schreibeis
Souffleur Horst Gwinner
Kulisse Matthias Nienhaus
Technik etc. Carsten Bokholt

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Die Aufführungen

Die Aufführungen fanden am Montag, dem 17. Februar, und Dienstag, dem 18. Februar 1992, jeweils um 20.00 Uhr in unserem Saal in der Glückstraße 3 statt.

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Am 20. Februar 1992 war in den Erlanger Nachrichten zu lesen:

Durchaus mit Phasen der Spannung

Theatergruppe der AMV Fridericiana spielte Brechts „Kleinbürgerhochzeit“ und ein Stück von Fassbinder

Auf der Bühne die Festtafel: das Tischtuch im Rautenmuster der bayerischen Fahne, es gibt Traubensaft aus der Tüte („Noch Wein?“), Mensa-Pudding aus dem Plastikbecher, Fisch und Schlagsahne aus der Dose („Du mußt mir unbedingt das Rezept geben“). Was da an Requisiten manchmal quer zum Text verlief, machte aus dem Spektakel erst so richtig, was es sein sollte: die Kleinbürgerhochzeit.

Mit dem gleichnamigen Stück von Bertold Brecht präsentierte sich die Theatergruppe der Akademisch-Musikalischen Verbindung Fridericiana in ihrem vollkommen überfüllten Saal einem großen Publikum.

Das Komische überwog

Karin Schreibeis setzte die komisch wirkende, im Grunde aber kritisch zu betrachtende Handlung, die Darstellung der Zwangsjacke „Norm der bürgerlichen Gesellschaft“ in tumultartige Szene. Ein Einakter, der nach der Hochzeitsfeier nur ein zerstörtes Mobiliar und angeknackste freund- und verwandschaftliche Beziehungen zurückläßt.

Das Komische überwog, zu lachen gab es viel. Neun Darsteller waren fast konstant auf der Bühne, doch das Chaos konnte das Spiel nicht überrollen, wie das bei dieser Anzahl von Personen oft der Fall ist.

Als zweites Stück standen „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ von Rainer Werner Fassbinder auf dem Programm. Nach dem Trubel der Brecht-Inszenierung vermutete man das Stück etwas fehlplaziert auf dem kleinen Bühnenpodest, in dem engen Saal, vor gutgelauntem Publikum. Irrtum. Es gab durchaus Phasen der Spannung, die sechs Frauen vermochten die Zuschauer zu faszinieren.

In der modernen Künstlerwohnung mit viel Schwarz und Rot, dem Computer in der Ecke und der Bar im Hintergrund (Bauten: Matthias Nienhaus) läuft das Tragische des Sich-Verliebens ab. „Ich liebe sie nicht, ich will sie besitzen.“ Die Schwierigkeiten, wenn Menschen nicht gelernt haben, wie sie „zusammen“ sind, Theater ohne große Nebeneffekte, pur, aber (ist das heute schon ein Widerspruch?) wirklich gelungen.

Ensemble-Leistung

Großes Kompliment an die Darstellerinnen: Ute Kaufmann als Petra von Kant mit viel Gefühl, Sibylle Marschner als Karin Thimm und Alexandra Freidl (Sidonie von Grasenabb).

Viel Beifall konnte Anja Emmert für sich verbuchen, die nach der gehässigen, aufgebauschten Frau aus dem Brecht-Stück die ruhige, stocksteif-stumme Marlene spielte. Gordona Ancic spielte die Mutter Valerie von Kant.

Der Theaterkritiker Wolfgang Drews definierte das Ensemble einst als nicht bloß die Darstellertruppe, sondern die einzelnen als aufeinander abgestimmt, sich ergänzend, passend. Gratulation an Karin Schreibeis: Sie hat ein Ensemble aufgestellt.

c.k.

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