"Indien" - Theater

Handzettel zum Theaterstück „Indien“, Foto von Andreas Hofmann, www.andreas-hofmann.org

Vorstellungen am 12., 13. und 14. Juli um 20 Uhr, jeweils in un­se­rem Saal in der Glück­straße 3 in Er­lan­gen.

Absatztrenner

Kurtl Fellner und Heinzi Bösel sind im Auftrag der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­re­gie­rung unterwegs, um die Qua­li­tä­ten der Wirts­häu­ser in der Re­pub­lik unter die Lu­pe zu neh­men. Dem Duo ent­geht da­bei nicht die kleins­te Un­stim­mig­keit. Wäh­rend der eine Schnit­zel tes­tet, nimmt der an­de­re die sa­ni­tä­ren Ein­rich­tun­gen in Augen­schein, aber wie auch im­mer die Be­wer­tung aus­fällt, einer Sa­che kann man sich si­cher sein: Der Wirt ver­folgt die bei­den mit Ar­gus­augen und lässt sich nicht al­les ge­fal­len.

Diese Tragikomödie der beiden österreichischen Kabarettisten Josef Ha­der und Al­fred Dor­fer be­han­delt eine Män­ner­freund­schaft, die tie­fer geht, als die vor­der­grün­dig der­ben Scher­ze und bit­ter­bö­sen Sprü­che ver­mu­ten las­sen.

„Der Laotse sagt: Setz dich an den Fluss und warte, bis die Leiche deines Fein­des vor­über­schwimmt. Weil die In­der haun die To­ten in den Fluss. Stell dir vor, das wür­den's bei uns ma­chen. Da gäb's kei­nen Frem­den­ver­kehr …"

Moritz Helgath

Absatztrenner

Mitwirkende

Heinz Bösel Tobias Dehm
Kurt Fellner David Steeger
Wirte/Arzt Johann Pfeiffer
   
Maske Stephanie Mousset
Technik,
Soufflage
Gregor Breun
Musik Florian Obstmeier
Regie Moritz Helgath

Absatztrenner

Die Erlanger Nachrichten brachten am 16. Juli 2013 im Lokalteil diese Kritik:

Bösartig im Wirtshaus

AMVi-Theater präsentierte die Tragikomödie „Indien“

Das AMVi-Theater der AMV Fri­de­ri­ci­a­na Er­lan­gen prä­sen­tier­te im Ver­bin­dungs­haus die ös­ter­rei­chi­sche Tra­gi­ko­mö­die „In­di­en“ von Jo­sef Ha­der und Al­fred Dor­fer.

Eigent­lich ist die­ses sar­kas­tisch-me­lan­cho­li­sche Ding be­reits ein mo­der­ner Klas­si­ker. Als vor ge­nau zwan­zig Jah­ren die Film-Ver­sion des 1991 ent­stan­de­nen The­a­ter­stücks mit den bei­den Au­to­ren in den Haupt­rol­len an­ge­lau­fen war, wuss­ten die Re­zen­sen­ten nur Bes­tes zu be­rich­ten. Zwei ver­be­am­te­te Tes­ter sind im Auf­trag des Frem­den­ver­kehrs­am­tes in der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Pro­vinz un­ter­wegs, um Gast­häu­ser auf die Ein­hal­tung von Hy­gi­e­ne­be­stim­mun­gen und ge­wer­be­recht­li­chen Vor­ga­ben zu über­prü­fen. Hier der wort­karg-knur­ri­ge Heinz Bö­sel, dort der bie­der-pe­dan­ti­sche Kurt Fell­ner. Zwei Ge­stran­de­te, die sich erst zu­sam­men­rau­fen müssen, in trost­lo­sen Wirts­haus-Ka­schem­men.

Mit ge­nau­es­tens be­ob­ach­ten­dem Blick fo­kus­sie­ren sich die Au­to­ren auf die sich ent­wick­eln­de Dy­na­mik einer Zwei­er­be­zie­hung, de­ren Pro­ta­go­nis­ten un­ter­schied­li­cher nicht sein könn­ten – und die dann doch zu­ein­an­der fin­den. Wäh­rend es in der ers­ten Hälf­te bös­ar­tig-fun­kelnd zu­geht, wird es in der zwei­ten, mit der Krebs­er­kran­kung Fell­ners, schlicht­weg er­grei­fend. Die Di­a­lo­ge sind bei­ßend, scharf­zün­gig, bös­artig, Ka­ba­rett als Spiel­hand­lung.

Talentierte Akteure

Ein Stück mit­hin für Schau­spie­ler, und mit To­bi­as Dehm (Bö­sel) und Da­vid Stee­ger (Fell­ner) hat da Re­gis­seur Mo­ritz Hel­gath zwei be­son­ders ta­len­tier­te Ak­teu­re an der Hand. Stee­ger gibt den lin­kisch-ver­klemm­ten Fell­ner mit einer ganz ei­ge­nen Grand­ez­za, der­weil Dehm dem zy­ni­schen Proll Bö­sel schärfs­te Kon­tu­ren ver­leiht. Ein köst­li­ches An­ein­an­der­vor­bei-Exis­tie­ren läuft gran­telnd ab, aber im­mer las­sen die Schau­spie­ler durch­schei­nen, dass hier zwei im Grun­de sehr ver­letz­te und ver­letz­li­che Men­schen agie­ren. Die kra­chen­den Mo­men­te kom­men eben­so gut wie die ganz lei­sen, sach­ten, trau­ri­gen. Bes­ser geht Ama­teur­the­a­ter nicht.

mko, Erlanger Nachrichten vom 16. Juli 2013