Schottersmühlwanderung 2007

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Der „Bonustag“ – Donnerstag, 21. Juni

Nach Niederlindach, vor Röhrach

Die Unentwegten starteten diesmal mit einem Frühschoppen auf dem Neuhauser Felsenkeller. Da dieser wochentags nicht bewirtschaftet ist (und vormittags schon gleich gar nicht), hatten wir uns vorher beim Neuhauser Löwenbräu Bier und Krüge geholt. Und Bratwurstsemmeln beim Metzger. Und Brezen beim Bäcker. Nach dem noch recht kühlen morgendlichen Auftakt der Wanderung ging es aus dem Wald hinaus, am Gailweiher entlang, über die Autobahn A3 und die Staatsstraße und dann in den Wald hinein, zwischen Karpfenweihern hindurch, immer nach Westen bis Poppenwind. Einkehr im Gasthaus Walter.

Von Poppenwind nach Mohrhof durchquert man ein großes Weiher- und Vogelschutzgebiet – wunderbar gelegen! Da gibt es einen Schlösselweiher, einen Drittelweiher, Viertelweiher, Blätterweiher, Weinbertsee, Steigsee, Letzten Weiher, Strichweiher und Abelsweiher. Wir jedenfalls gingen am Nordrand des Hegnichtswalds entlang nach Dannberg.

Das frühere Dorfwirtshaus in Dannberg (Wirtschaft von Johann Gerner) wurde vor einiger Zeit komplett renoviert und umgebaut. Der vordere Bereich wirkt nach wie vor traditionell, daneben ist eine Stube, der hintere Raum würde auch in ein gehobenes Hotel passen, der Wirtsgarten gibt sich in Granit und Teak. Die täglich wechselnde Speisekarte beweist, dass sich der Koch nicht mit Sauerbraten und Schnitzel zufriedengibt. Auf einer Schottersmühlwanderung wurden meines Wissen vorher noch keine Königsbrassen verzehrt  ;-) Auch das restliche Ambiente lässt vermuten, dass man sich im gehobenen Segment plazieren möchte. Viel Glück dabei! Wir fühlten uns jedenfalls wohl.

Während wir auf dem Feldweg nach Niederlindach gingen, zog sich der Himmel immer mehr zu, so dass im Niederlindacher Gasthaus eingekehrt werden „musste“. Und tatsächlich fielen ein paar Regentropfen, aber bald konnten wir Richtung Autobahn weitergehen, die A3 überqueren und im Mohrbachtal nach Dechsendorf gehen. Dort kehrten wir beim Mayd ein. Ein sehr ansprechendes Lokal.

Der weitere Weg führte durch den Wald über den Heusteg und die Membacher Brücke nach Alterlangen und über den Wiesengrund in die Erlanger Innenstadt. Das war nochmal ein recht langes und trockenes Stück, das wir mit einem späten Abendessen und anschließenden Feuerchen auf dem Haus abschlossen. Armin W., der die Route (und auch die der folgenden Tage) ausgekundschaftet hatte, entnahm seiner Wandersoftware eine Streckenlänge von 23,14 km.

Die „normale Wanderung“ – Freitag, 22. Juni

Abmarsch aus der Glückstraße in Erlangen

2007 jährt sich die erste Schottersmühlwanderung nach dem 2. Weltkrieg zum 50. Mal. Zu einem solchen Jubiläum bietet es sich an, die „klassische“ Route wieder aufleben zu lassen. Diese führte die Fridericen mehr als 30 Jahre lang vom Haus (über viele Jahre in der Universitätsstraße 25) in Erlangen über den Rathsberg (das dortige Gasthaus Rundblick mit dem berühmt-berüchtigten Beerenwein ist inzwischen ein privates Wohnhaus), Atzelsberg, Adlitz, Langensendelbach (ab hier etliche Kilometer auf der Straße), Effeltrich, Gaiganz (keine Wirtschaft mehr), Kunreuth, Mittelehrenbach, Dietzhof, Leutenbach und anschließend im Wiesenttal über Pretzfeld und Ebermannstadt nach Streitberg, wo man in einer Scheune übernachtete.

Diesen ersten Teil (ca. 35 km) bewältigten die Aktiven der 1950er und 1960er Jahre an einem Tag. 40 oder 50 Jahre später ist diese Entfernung für die damaligen Wanderer zu weit.

Dieses Jahr gingen um 9 s.t. etwa 25 Leute vom Haus los, verließen Erlangen über die Schillerstraße, Loewenichstraße, Bürgermeistersteg und Atzelsberger Steige. Dann ging's durch den Erlanger Meilwald hinauf und auf Feldwegen wieder nach Atzelsberg hinunter. Am dortigen Gasthaus wartete schon ein Bundesbruder, der zum Aufbruch noch nicht in Erlangen hatte sein können, aber messerscharf gefolgert hatte, dass wir wohl in Atzelsberg einkehren würden. Wie recht er hatte!

Der folgende Weg führte – zuerst durch den Wald, dann über Wiesen – nördlich an Adlitz vorbei über Schneckenhof nach Langensendelbach zum Zametzer, wo wir einkehrten. Es war noch nicht Mittagszeit, daher beschränkte man sich auf ein (oder zwei) Getränke und Würste aus der zugehörigen Metzgerei. Wirtshaus und Metzgerei: eine wunderbare Kombination!

Auch für die folgende Strecke nach Effeltrich hatte unser Leithammel Armin W. eine ruhige Route abseits der Straßen ausgekundschaftet. Dort wurde ein Erinnerungsfoto vor der berühmten Effeltricher Linde geschossen, bevor im Gasthaus zur Post das Mittagessen eingenommen wurde. Über Beilagensalate in der Fränkischen schreibe ich diesmal nichts. Die Schäufala waren knusprig und reichhaltig, aber die Fränkische Küche hält für derlei Fälle Fettemulgatoren aus Kirschen, Pflaumen, vermischtem Obst, Birnen, etc. bereit. Schafkopf.

Auf dem folgenden Wegstück nach Gaiganz deutete sich dann schlechteres Wetter an, und kurz vor Kunreuth brach ein richtiges Gewitter los. Wie gut, dass wir diesen letzten Abschnitt auf der Straße gingen; aufgeweichte Wege hätten wir jetzt gar nicht brauchen können. Glücklicherweise gibt es gleich am Ortseingang von Kunreuth ein Sportheim, wo wir uns unterstellen konnten. Als der Regen etwas nachließ, nahm man doch gern die paar Meter in Kauf, um sich im Gasthaus zum Schloss wieder aufzuwärmen. Schafkopf.

An dieser Stelle blieb eine Gruppe zurück, teilweise, weil ihr das Wetter noch nicht recht geheuer war, teilweise, weil noch ein Kaffee bestellt war, teilweise, weil noch ein Verlust im Schafkopf auszugleichen war. Der Rest ging über Dietzhof nach Leutenbach, wo beim Drummer eingekehrt wurde. Das Bier dort ist schon wirklich gut: schön dunkel, aber nicht zu süß. Zum Übernachten wäre der uns wohlbekannte Gasthof Rumpler gegenüber ideal gewesen, aber es gibt in der Familie einen Krankheitsfall und keinen Nachfolger. Schade.

Auf der Ostseite des Walberlas führt auf halber Höhe ein Feldweg entlang nach Kirchehrenbach. Auf den Karten ist er als nicht durchlaufend eingezeichnet (weder bei Appelt noch bei Fritsch noch bei den Topographischen), aber unser Wanderführer hatte sich im Vorfeld selbst ein Bild gemacht. Jedenfalls ging's bequem nach Kirchehrenbach hinein, wo wir im Landgasthaus zur Sonne untergebracht waren. Das Programm des Abends war ein altbewährtes: Wurst- und Käseplatten, Wein, Diskussionen über die morgige Route, Schnaps, Schafkopf, Bier, Geschichten von früher. Gegen zwölf ging der Kellner zu Bett und sagte vorher noch, welche Tür zuzuziehen war: Gastlichkeit und Vertrauen, so soll's sein.

Die „normale Wanderung“ – Samstag, 23. Juni

Burgruine Neideck von unten

Die oben erwähnte „klassische“ Route sah vor, den Samstag mit einem ausführlichen Besuch der Streitberger Pilgerstube (Liköre und Schnäpse) zu beginnen, dann die Höhe bei Muggendorf zu erklimmen und schließlich zur Schottersmühle abzusteigen – reine Gehzeit: zwei Stunden. Dort endete die Wanderung mit einer Exkneipe und dem Feuer.

Da wir heuer aber schon in Kirchehrenbach nächtigten, ging am Samstag die Tour zunächst im Wiesenttal nach Pretzfeld. Es war schon bekannt, dass das dortige Wirtshaus zur Sonne inzwischen geschlossen hat, aber dass die Bahnhofsgaststätte vormittags noch nicht offen hatte, brachte schon so manchen aus dem Tritt. So ging's halt weiter. Auf dem folgenden Stück war man dann doch dankbar, dass das Wetter nicht trocken, sonnig und heiß war, denn dann sind die Wege im Wiesenttal staubig und die Sonne erbarmungslos. Einige machten noch einen Abstecher nach Ebermannstadt hinein, andere gingen gleich nach Rothenbühl, wo man das Mittagessen einnahm. Hier fiel dann auf, dass zwei fehlten: „Wo ist Ebbe? Wo steckt Jochen?“ Irgendeiner hatte die beiden zusammen gesehen, so dass man sich keine Sorgen mehr zu machen brauchte. Abends sollte sich herausstellen, dass die beiden „Ausreißer“ bei Pretzfeld die Höhe erklommen hatten und über Wohlmuthshüll, Birkenreuth und Trainmeusel nach Muggendorf gegangen waren.

In Rothenbühl mischten sich die Gruppen wieder neu, um sich schon bei Streitberg erneut zu trennen. Der Großteil wollte die Pilgerstube aufsuchen. Die meisten von ihnen wiederum stiegen anschließend nach Albertshof auf, schlugen sich nach Doos durch und besuchten die Schottersmühle, bevor sie das Endziel Engelhardsberg ansteuerten. Einige ignorierten die Streitberger Pilgerstube und blieben auf gemäßigten Wegen im Tal. Im Goldenen Stern von Muggendorf fanden sich in der Stube am gemütlichen runden Tisch bei einer Flasche Wein wieder ein paar versprengte Schäflein zusammen.

Ganz egal, wo und wie man geht: Irgendwann muss man nach Engelhardsberg hinauf. Steil hinauf. Ein sehr schöner Wanderweg mit einigen Aussichtspunkten wird durch ein braunes Kreuz markiert. Er führt duch die Oswaldhöhle hindurch auf das Hohe Kreuz, eine Aussichtsplattform mit wunderbarer Fernsicht nach Norden und Osten. Und danach sind's nur noch ein paar hundert Meter nach Engelhardsberg hinein. Dort im Gasthaus Sebald kennt man uns gut, und wir kennen die Wirtsleute dort gut.

Irgendein Zeitungsmensch musste herausgefunden haben, dass sich unsere erste Schottersmühlwanderung nach dem 2. Weltkrieg heuer zum 50. Mal jährte. Vielleicht durch die Ankündigung der Wanderung, die sich schon längere Zeit an dieser Stelle im Internet befunden hatte. Jedenfalls erwartete uns im Gasthaus ein Reporter – der auch nicht wusste, wie sein Auftraggeber auf diese Idee verfallen war. Nach einem (gestellten) Foto ließ er sich von den altgedienten Wanderern Fakten und Geschichten erzählen. Offenbar wurde er von der Informationsflut förmlich überrollt, so dass die entstandenen Artikel (einer bei den Nürnberger Nachrichten, einer beim Fränkischen Tag) recht „fransig“ wirkten.

Bei den Wanderern, die zwei oder sogar drei Tage (über 40 bzw. 60 km) unterwegs waren, machte sich spätestens hier in Engelhardsberg eine gewisse Mattigkeit breit. Noch was essen (Spezialitäten sind das Adlersteinschnitzel und der „Pfannkuchen“) und eine Kleinigkeit trinken. Noch die Exkneipe (gut vorbereiteter Präside). Und dann zum Feuer. Dieses Jahr war es auf einer anderen Wiese als sonst aufgebaut, weil „unsere“ Wiese von einem riesigen Berg an Hackschnitzeln bedeckt war. Macht nichts. Diesmal wurde das Feuer nicht von einem Werkstoffkundler in Gang gesetzt, sondern von einem Feuerwehrmann. Das Ergebnis war so schön wie immer. Aber irgendwann siegt die Müdigkeit, man wird melancholisch, freut sich auf sein eigenes Bett, und die Wandererschar zerstreut sich langsam wieder in alle Winde – bis zum nächsten Jahr!

Es hat sich unbedingt gelohnt, zum 50. Jubiläum wieder einmal die (fast) klassische Route zu gehen. Einen herzlichen Dank an Armin für die wirklich hervorragende Planung, Auskundschaftung und Organisation der ganzen Wanderung!

Horst G.