125. Stiftungsfest 2004

Putto von einer Couleurkarte aus dem frühen 20. Jahrhundert

Begrüßungsabend

Am Freitag, dem 2. Juli 2004, gab es ab 20 Uhr die Gelegenheit, die aus der Ferne angereisten Freunde wiederzutreffen und sie ausführlichst zu begrüßen. Wir feierten wegen des schlechten Wetters im Saal des Verbindungshauses. Die Dekoration, Wein und einige Schrammelmusikanten ließen schnell sommerliche Feststimmung aufkommen. Bei dieser Gelegenheit kamen auch die neu angeschafften Fridericiana-Bierfilze erstmals zum Einsatz.

Begrüßungsabend - Blick in die Runde

AHV-Konvent

Am Samstag, dem 3. Juli 2004, fand um 10.30 Uhr eine interne Mitgliederversammlung statt, wiederum im Saal des Verbindungshauses. Weißwürste, frische Brezen und Weißbier bildeten den Abschluß.

Weißwurstessen nach dem Konvent

Kaffeetrinken

Am Samstag, dem 3. Juli 2004, war ab 15 Uhr (also nach einer Mittagspause) die Gelegenheit zum Kaffeetrinken im Garten des Verbindungshauses.

Kaffeetrinken, Bild von Ralf E.

Stadtrundgang

Am Samstag, dem 3. Juli 2004, gab um 16.00 eine kurze Stadtführung die Gelegenheit, die Straßen und Plätze früherer Tage wieder zu besichtigen und Erlangen neu kennenzulernen. Besonderes Augenmerk galt den ehemaligen Kneiplokalen und Häusern der Fridericiana.

Festphoto

Am Samstag, dem 3. Juli 2004, wurde um 19.45 Uhr an der Baiersdorfer Jahnhalle (300 m nordöstlich des Bahnhofs) ein festliches Erinnerungsphoto aufgenommen.

Festphoto, Bild von Ralf E.

Festkommers

Am Samstag, dem 3. Juli 2004, feierten wir ab 20 Uhr einen Festkommers mit Damen in der Baiersdorfer Jahnhalle (300 m nordöstlich des Bahnhofs). Festredner war Bbr. Dr. Günther Beckstein, der Bayerische Innenminister. Die musikalische Gestaltung übernahm das Rue-du-Bonheur-Quartett, das schon etliche umjubelte Konzerte bestritten hatte.

Festkommers in der Baiersdorfer Jahnhalle

Festmatinee

Die Festmatinee am Sonntag, dem 4. Juli 2004, um 11.00 in der Baiersdorfer Jahnhalle (300 m nordöstlich des Bahnhofs) übertraf wieder manches Neujahrs- und Promenadenkonzert an Glanz. Es gab dieses Programm zu hören:

Antonio Vivaldi
(1678-1741)
Konzert g-moll für 2 Violoncelli, Streicher und Orchester
Allegro
Largo
Allegro
Soli: Peter und Dr. Wolfgang Stadler
Jean Tardieu
(1903-1995)
„Die Sonate und die drei Herren oder: Wie spricht man Musik?“ (1960)
Largo
Andante
Finale
Hans-Henning Kunze, Gerhard Staeps, Peter Thumann
L. van Beethoven
(1770-1827)
Ouvertüre zu Goethes „Egmont“ op. 84
Stiftungsfestorchester
F. u. B. Bryant
J. Phillips
M. Gidion
A. L. Webber
Arrangement: 
Stefan Kohler 
M. Kaufmann (Chor) 
R. Kaufmann (Orch.) 
„Traumlieder“:
All I Have To Do Is Dream
California Dreaming
Any Dream Will Do
Christian Kallenbach, Klavier
Barbara Kubitta, Harfe
Bastian Süß, Chorleitung
Stiftungsfestchor
Siegfried Ochs
(1858-1929)
Humoristische Variationen über
„'S kommt ein Vogel geflogen“
im Stile älterer und neuerer Meister
für großes Orchester
Thema
Bach: Allegro non troppo
Haydn: Allegretto comodo
Mozart: Andante grazioso
J. Strauss: Walzer
Chopin: Valse triste
Schumann: Scherzo
Wagner: Lento - Allegro - Grandioso
Brahms: Wiegenlied
Militärmarsch
R. Kaufmann
(geb. 1949)
Ergänzungen zu Obigem
Orff: Trinklied
Strawinsky: Berceuse
Ravel: Bolero
Stiftungsfestorchester
Gesamtleitung: Rüdiger Kaufmann

Rezension

Erinnern Sie sich? Ich erinnere mich. Und Sie? Es endete mit einem großen Konzert. Ja, mit einem großen Festkonzert. Einem großen Festkonzert am Vormittag.

Den Abschluß und Höhepunkt des Stiftungsfestes bildete auch in diesem Jahr wieder das Festkonzert. Es wurde in gewohnter Weise gekonnt von Rüdiger Kaufmann geleitet, welcher wieder ein stattliches Orchester formiert hatte. Die Musiker boten vor vollem Haus in der Baiersdorfer Jahnhalle ein anspruchsvolles Programm.

In Antonio Vivaldis Konzert in g-moll für zwei Violoncelli überzeugten Peter und Wolfgang Stadler durch technisches Können und elegante Musikalität. Die beiden Solisten waren sichtlich bestens aufeinander eingespielt, warfen sich gegenseitig musikalische Bälle zu und gestalteten so ein kurzweiliges Wechselspiel. Sie konzertierten mit dem Orchester in gut aufeinander abgestimmten Proportionen und barocker Spielfreude.

Nach einem kurzen Umbau betraten Hans-Henning Kunze, Gerhard Staeps und Peter Thumann mit ihren Instrumenten die Bühne, klappten ihre Stühle auf und setzten sich. Aber statt des vom Publikum erwarteten Musikstücks begannen sie eine absurd anmutende, belanglose, aber mit Nachdruck vorgetragene Unterhaltung: „Erinnern Sie sich?“ „Ich erinnere mich. Und Sie?“ „Es begann mit einer großen Fläche.“ Und so weiter. Gerade als der Zuhörer frustriert aufgeben wollte zu versuchen, den Sinn des Gesprächs zu ergründen, nahm das Ganze Formen an. Jean Tardieu hat in seinem Theater- (oder Musik- ?) Stück „Die Sonate und die drei Herren oder wie spricht man Musik?“ musikalische Formen in Sprache gegossen. Die gekonnte Vortragsweise machte nach und nach diese Formen deutlich, und am Ende der Darbietung konnte selbst derjenige Bundesbruder, den es „normalerweise nicht stört, wenn da welche Musik machen“, das wiederkehrende Thema mitmurmeln, fast so, wie man am Ende der musikalischen Sonatenhauptsatzform die Reprise erkennt.

Das zentrale und ohne Zweifel schwierigste Werk der Festmatinee war Beethovens Ouvertüre zu Goethes Egmont. Vor der eigentlichen Aufführung ließ Kaufmann in Rillingscher Manier einzelne Motive intonieren und erläuterte, wie diese bestimmte Episoden der Egmont-Story illustrieren. Goethes Schauspiel handelt vom niederländischen Freiheitskampf gegen die spanischen Besatzer, und Beethovens Ouvertüre überträgt diese Thematik des Konflikts und der Unterdrückung, des heroischen Freiheitsdrangs und der Erlösung in die Welt der klassisch-romantischen Musik. Der Dirigent arbeitete die Motive feinfühlig mit den kraftvollen Streichern, den sonoren Holzbläsern und dem strahlenden Blech des Stiftungsfestorchesters heraus und vereinte sie überzeugend zu einer beeindruckenden Aufführung.

Nach der Pause standen „Traumlieder“ von verschiedenen Komponisten in Bearbeitungen von Stefan Kohler und Maria und Rüdiger Kaufmann auf dem Programm. Die Hauptrolle füllte hier der AMV-Chor aus, welcher kompetent von Bastian Süß geleitet wurde. Den feinfühligen Frauenstimmen und den ausdrucksstarken Männerstimmen gelang eine Darbietung, die so manchen Zuhörer zum Mitsingen verleitete; einige Sopranistinnen waren mit sichtlicher Leidenschaft dabei und vermochten so, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Bastian Süß gestaltete das Zusammenwirken von Chor, Orchester, Klavier (Christian Kallenbach) und Harfe (Barbara Kubitta) zur einer harmonischen Träumerei.

Die „Humoristischen Variationen über ''S kommt ein Vogel geflogen' im Stile älterer und neuerer Meister für großes Orchester“ von Siegfried Ochs bildeten den letzten Programmpunkt. Dieses musikalische Schmankerl brachte die Zuhörer wie die Musiker gleichermaßen zum Schmunzeln. Humorvolle Arrangements des bekannten Volkslieds wurden unverkennbar im Stil verschiedener Komponisten vorgetragen. Jedes Instrument hatte dabei einmal seinen „großen Moment“. Standen beim Bachschen, Mozartschen und Schumannschen „Vogerl“ noch die Streicher und Holzbläser im Vordergrund, so kamen bei der Wagner-Version und vor allem beim Militärmarsch die Blechbläser voll zum Einsatz. Rüdiger Kaufmann hatte noch drei weitere Versionen ergänzt in Stilen von noch neueren Meistern: Orff, Strawinsky und Ravel.

Das Publikum honorierte das schöne und gelungene Konzert mit langanhaltendem, verdientem Applaus. Eine markante Wiederholung des Militärmarsches bildete die Zugabe.

Nach langjährigem, unermüdlichem Einsatz hat sich Rüdiger Kaufmann mit diesem Konzert als Leiter des Stiftungsfestorchesters verabschiedet. Die AMV zusammen mit ihrem AHV sprach Bbr. Kaufmann den ihm gebührenden großen Dank aus. Rüdigers Engagement umfaßte in den vergangenen Jahren fast alle Verantwortlichkeiten, die erfüllt werden müssen, um Konzerte dieser Größenordnung auf die Beine zu stellen. Er war geichzeitig künstlerischer Leiter, Probendirigent, Arrangeur, Orchestervorstand, Instrumentalist, Sänger, Einkäufer, Werbeagent, Weckdienst für verschlafende Musiker und vieles mehr. Auch an dieser Stelle sei ihm nochmals ein herzlicher Dank ausgesprochen. Die beeindruckende Ära Kaufmann mag in ihrer gewohnten Form vorläufig beendet sein, aber von der Bühne der Fridericiana sind die Kaufmanns ganz sicher noch nicht verschwunden.

Erinnern Sie sich? Ich erinnere mich. Und Sie? Es endete mit einem großen Konzert. Ja, mit einem großen Festkonzert. Einem großen Festkonzert am Vormittag. Aber dann war keineswegs Stille.

Reinhard Stolle