Schottersmühlwanderung 2003

Hier erfahren Sie Allgemeines zu den Schottersmühlwanderungen.

Der „Bonustag“

Wie in den vergangenen Jahren hat auch diesmal eine Gruppe von Wanderern schon den Donnerstag, den 19. Juni 2003 (Fronleichnam!), vor der „normalen Wanderung“ zum Warmlaufen genutzt.

Treffpunkt war die Brauerei Obendorfer in Weismain, was aufgrund der Entfernung zu Erlangen einigen Aufwand an Anfahrtslogistik mit sich brachte. Nach verschiedenen Ortsdurchfahrten, bei denen wunderbare Fronleichnamsprozessionen Vorrang hatten, kamen alle Dreitageswanderer schließlich bei der Brauereigaststätte an. Die Enttäuschung war jedoch groß, als wir erfahren mussten, dass Obendorfer schon seit sieben Jahren nicht mehr selbst braut, sondern nur noch eine eigene Sorte von Püls Bräu herstellen lässt.

Planung in Weismain

Der Beginn der Wanderung wurde spontan ins nahe Köttel verlegt. Auf diese Weise konnte wir durch den höchst romantischen und wunderschönen „Kötteler Grund“ gehen.

Im Kötteler Grund

Dieser stößt bei Weihersmühle auf das Kleinziegenfelder Tal.

Weihersmühle

Ein feiner Sprühregen und die fortgeschrittene Zeit veranlassten uns, gleich in der „Forelle“ in Weihersmühle zu Mittag zu essen. Ein schönes Gasthaus mit gutem Essen und promptem Service. Vor vielen Jahren hatte hier eine fridericianische Wandergruppe übernachtet. Der Bach soll einen Höllenlärm gemacht haben, die Bettdecken sollen zu kurz und fast so hoch wie breit und furchtbar schwer gewesen sein.

Hier (wie in fast allen Wirtschaften des ersten Tages) wurde Bier dieser Brauerei ausgeschenkt:

Plakat für Weismainer Püls-Bräu

Im Kleinziegenfelder Tal gibt es einen kleinen Weg am sich schlängelnden Weismain entlang nach Kleinziegenfeld, wo wir die Weismain-Quelle (nicht zu verwechseln mit der Quelle des Weißen Mains!) mit ihren Gasaustritten bestaunten …

Die Quelle des Weismains

… und anschließend einkehrten, aber wieder von Brauereifusionen und -sterben hören mussten.

Danach kam die Hemmleite, ein sehr stilles Trockental. Ab hier brachten wir dann Markierungen, Wege und Karten nicht mehr recht in Übereinstimmung, so dass sich der Weg über Buckendorf (Gasthaus geschlossen) nach Sanspareil ziemlich hinzog. Auf diesen 10 km wurde nur zur Wegsuche pausiert, auch deshalb, weil wieder ein feiner Sprühregen eingesetzt hatte. Umso mehr freuten wir uns, als wir Sanspareil endlich erreichten:

Die Burg Zwernitz mit Sanspareil

Im Gasthaus Hüller in Sanspareil kamen wir unter dem Einfluss der netten und lustigen Bedienung und der freundlichen Wirtsleute bald wieder zu Kräften. Für unsere wunden Füße wurde Pferdesalbe empfohlen: „Die ist gut; die verschreibt der Tierarzt ja sogar!“

Als Entschädigung dafür, dass wegen Umbaus vier von uns sieben Wanderern in einem einzigen Zimmer schlafen mussten, gaben die Wirtsleute eine Runde fruchtig-milden Zwetschgenschnaps aus. Nun wollte einer der Wanderer (Jan T.) aber auch den Williams probieren – und spendierte eine weitere Runde. Ein Münchener Mitwanderer (Michael W.) beharrte jedoch auf dem Zwetschgen – und gab eine weitere Runde aus. Ein Bayreuther Mitwanderer (Werner Schn.) hingegen bevorzugte hartnäckig den Williams – und gab eine weitere Runde aus. Um nicht allzu betrunken zu werden, wurde dazwischen das gute Huppendorfer Dunkle getrunken. Als sich danach wieder eine Stimme für den Zwetschgen erhob, ließ man die Diskussion auf sich beruhen und ging ins Bett; die Wirtin hatte uns schon vorher gezeigt, wo das Licht auszuschalten war.

Die „normale Wanderung“ – Freitag

Die meisten Wanderer starteten wie üblich erst an diesem Tag. Während sie von freundlichen Familienangehörigen vorwiegend in Erlangen zusammengesammelt wurden, begann für die Dreitageswanderer der Tag mühsam – allzu anstrengend waren der Vortag und -abend gewesen.

In Wonsees trafen sich alle – der Weißwürste wegen. Anschließend ging es durch das Wacholdertal nach Kleinhül. Die dortige Wirtschaft hatte – dank Peter Schr.s Organisation – extra für uns geöffnet. Dass es Nothelfer-Bier aus Vierzehnheiligen ...

Horst und Hannes mit Nothelferbier aus Vierzehnheiligen

… und Dreikornbier gab, war schon erfreulich genug, aber das Wirtshaus ist eines der schönsten, das ich je gesehen habe. Von außen ein liebevoll und stilsicher renoviertes Bauernhaus, innen eine Bauernstube, ein geschmackvoll (!) ausgebauter Stall, oben ein Museum – Glückwunsch! 2002 hat Landwirtschaftsminister Josef Miller im Rahmen des 2. oberfränkischen Wettbewerbs „Bewahren – Gestalten – Lebendig erhalten“ auf der Landesgartenschau in Kronach dieses Gebäde ausgezeichnet.

Die Wirtschaft in Kleinhül von vorn
Wirtsstube in Kleinhül

Die Route führte durch katholische und evangelische Gegenden, und entsprechend wechselten sich die katholischen und die evangelischen Bratwürste ab, also solche mit feinem und solche mit grobem Gehäck. Obwohl ich katholisch bin, bevorzuge ich dennoch die evangelischen Bratwürste.

Anschließend ging es durch das ruhige und bewaldete Erbachtal nach Schönfeld, wo wir zu Mittag aßen. Nach einer angemessenen Rast machte man sich auf ins wiesenreiche Lochautal, durch das hauptsächlich Trampelpfade führen. Beide Täler sind traumhaft schön. Im „Goldenen Lamm“ in Plankenfels trank angesichts der Hitze fast die gesamte Mannschaft Apfelschorle.

In Nankendorfs Brauerei Schroll stellten wir uns dem Brauereisterben mutig entgegen. Als die Wirtin mit einer einzelnen Apfelschorle ankam und an unseren Tischen fragte, ob jemand von uns diese bestellt hätte, hieß es mit Nachdruck und wie aus einem Mund: „Nein! Bei uns nicht!“ Plankenfels lag ja schon sooo lang zurück ...

In Waischenfeld kamen wir dann erst spät an, aber das machte nichts. Die Tatsache, dass das Hotelrestaurant in einem in seiner Art einzigartigen vollständig erhaltenen Saal aus den 1970ern untergebracht ist, beförderte unser Wohlbefinden genauso wie das Verhalten des Kellners. Das Essen war gut.

Die „normale Wanderung“ – Samstag

Die kürzeste Wanderstrecke von Waischenfeld nach Engelhardsberg beträgt keine acht Kilometer. Nur wenige begnügten sich mit einer derart kurzen Strecke, aber darüber, wie weit nun gegangen werden sollte, gingen die Meinungen – und daher auch die gewählten Strecken – weit auseinander. Kein Problem in der Fränkischen.

Eine Gruppe ging auf die Höhe nach Schönhof (Biohof mit Kneipe mit schöner Fernsicht) und die „Weiße Marter“. Eine andere Gruppe ließ es nochmal richtig krachen und ging über Hannberg und Kirchahorn, dann im Ailsbachtal nach Oberailsfeld und dann ebenfalls über die „Weiße Marter“.

Der Verfasser dieser Zeilen ging über Hannberg auf einer ruhigen Hochebene …

Hochebene um Langenloh.jpg

… zur Sophienhöhle bei Burg Rabenstein. Eine sehenswerte Tropfsteinhöhle, …

Der „große Millionär“

... in der wir uns von den beachtlichen Außentemperaturen wieder etwas abkühlen konnten. Anschließend gingen wir weiter auf der Ebene nach Langenloh, wo wir vorzüglich bewirtet wurden. Dann wieder ein schöner Wanderweg durch das sogenannte „Wassertal“ runter zur Pulvermühle. Noch ein kleines Bier runtergestürzt, dann kam auch schon der Kanu-Mietservice, bei dem drei Zweier-Kanadier und zwei Einer-Kanus bestellt waren.

Das war nun natürlich ein Riesenspaß, bis die Boote mal alle besetzt waren. Die Fahrt auf der Wiesent war eine schöne Mischung aus Naturerlebnis (Tiere nicht stören!), Sport (die Arme spürt man auch beim Flussabwärtsfahren bald) und Gelächter über das Ungeschick der anderen. Ein paar flottere Stellen sorgten für Spannung und nasse Boote. An den beiden Umtragungsstellen wurden jeweils die Besatzungen durchgetauscht, so dass sich fast jeder einmal an den zappeligen Einern versuchen konnte. Nach eindreiviertel Stunden waren wir in Doos. Von dort aus ist es nur noch ein kurzes, aber schönes Stück bis zur Schottersmühle.

Dort trafen sich „wundersamerweise“ die Wege der verschiedenen Wandergruppen wieder. Der pensionierte Richter Eberhard H. aus der Gruppe bewies selektiv sein Geschick im Erfragen von Lebensgeschichten, was den Softwareentwickler Horst G. sehr erboste, der selbst vergeblich die Gelegenheit herauszuarbeiten versucht hatte, ebenfalls sein Geschick zu beweisen.

Schließlich kam die vorletzte und steilste Etappe: der Weg hinauf nach Engelhardsberg. Nach einer halben Stunde war auch das geschafft; das Abendessen im Gasthaus Sebald war wohlverdient.

Im Biergarten des Gasthaus Sebald in Engelhardsberg

Einige Wochen vor der Wanderung hatte der sechsjährige Sohn eines an diesem Abend anwesenden Medizinalrates die berufliche Tätigkeit seines Vaters mit kindlichen Worten auf die digital-rektale Vorsorgeuntersuchung reduziert. Diese Sentenz des Sohnes machte bei der Wanderung wiederholt die Runde. Als nun der Medizinalrat, nach seinem langjährigen Nachbarn befragt, meinte „Den kenn' ich in- und auswendig!“, führte das zu brüllendem Gelächter.

Weil's draußen recht frisch geworden war, ging man gern in die Gaststube, um eine kleine Exkneipe zu feiern. Ein anwesender Ingenieur wollte der Corona Gelegenheit geben, ihn wegen seines in der folgenden Woche stattfindenden 60. Geburtstags hochleben zu lassen, und gab daher eine Runde aus. Man ließ ihn wunschgemäß und aus echter Begeisterung hochleben. Ein just an diesem Tag vollendetes 60. Lebensjahr veranlaßte einen Oberstudiendirektor, alle übrigen Getränke der versammelten Mannschaft zu übernehmen, was ebenfalls für Freude sorgte. Das Geburtstagskind bekam eine Ansprache eines Gynäkologieprofessors, der ihn seit der Schulzeit kannte. Der persönliche Referent des Erlanger Oberbürgermeisters überbrachte ein Geschenk; er war extra mitten in die Fränkische gefahren, um dem städtischen Beamten zu gratulieren.

Nach der Kneipe kommt das letzte Stück Weg: der Weg zum Feuerplatz, etwas außerhalb des Ortes gelegen. Das Feuerholz stellt uns die freundliche Wirtsfamilie Sebald immer zur Verfügung, ein paar Aktive schlichten es am Nachmittag auf. Dieses Jahr wurde der Stapel breiter als sonst, vielleicht aufgrund einer luftigeren Bauweise. Das Schönste ist ja das Anzünden – auch für die Zuschauer. Obwohl es zu diesem Zeitpunkt schon weit nach zehn Uhr ist, sieht man noch die Abenddämmerung - wir haben die längsten Tage des Jahres.

Am Feuer bei Engelhardsberg

Es wurde wieder ein sehr schönes, großes und heißes Feuer. Gegen elf Uhr abends war es dann sowieso so frisch, dass man die Wärme dankbar aufnahm. Wie der Urmensch starrt man ins Feuer, denkt nach und wärmt sich. Man unterhält sich leise mit diesem und jenem – und starrt wieder ins Feuer …

Wenn das Feuer etwas heruntergebrannt ist, dann geht's wieder darum, wer als Erster den Sprung über das Feuer wagt. Und dann darum, wer zuerst über die breiteste Stelle springt … Und natürlich muss immer wieder ein Ast nachgelegt, ein Glutherd ausgetreten und das Feuer in vielfältiger Weise gepflegt und unterhalten werden.

Nach und nach werden die Wanderer abgeholt. Und schön langsam klingt der Abend im kleinen Kreise dann aus. Noch ein ganzes Jahr bis zur nächsten Wanderung!

Es gibt noch weitere Bilder: [schmunzele.jpg] [fruehschoppen1.jpg] [fruehschoppen2.jpg] [werner_steffen_horst.jpg] [biergarten_kleinhuel.jpg] [peter_schr.jpg] [aus_kleinhuel_hinaus.jpg] [armin_peter.jpg] [matthes_steffen_ruediger_hannes.jpg] [am_feuer.jpg]

Die Route war von Dr. med. Peter H. ausgearbeitet worden, danke! Die Bilder stammen von Jan T. ebenfalls danke!

Außerdem gibt es eine Collage von Andreas Z.

Horst G.