Theater im Sommersemester 2001

Eine Über­sicht über die letz­ten Auf­füh­run­gen der The­a­ter­grup­pe fin­den Sie auf der The­a­tersei­te.

Gruppenbild von Florian Stadler

Das Stück

Es wurde das Stück „Seltsame Schwestern“ (engl. „Wyrd Sisters“, dt. Originalübersetzung „MacBest“) von Terry Pratchett gegeben. Es gehört zum Zyklus „Scheibenwelt“ und spielt – der Titel läßt es schon vermuten – auf Shakespeares „Macbeth“ an. Zitate und Szenen des alten englischen Dramatikers werden kräftig durch den Kakao gezogen, und alte Bekannte wie Oma Wetterwachs oder Gevatter Tod spielen ebenfalls nicht unwichtige Rollen (nach Berit Neumann).

Der Zyklus „Scheibenwelt“

Bei den auf der bizarren „Scheibenwelt“ spielenden Romanen von Terry Pratchett dürfte es sich um einen der abgedrehtesten Zyklen der Fantasy handeln. In einem Kosmos, den der menschliche Verstand nicht zu fassen vermag, liefern sich Zauberer und Dämonen, Hexen und Könige sowie Teppiche, Truhen und Kaufhäuser erbitterte Schlachten, die nicht immer ganz fair sind.

Die Scheibenwelt ist, wie der Name schon sagt, eine Scheibe im besten mittelalterlichen Sinne. Oder auch wieder nicht, denn sie wird getragen von vier kosmischen Elefanten, die wiederum auf dem Rücken der uralten, riesigen Schildkröte Groß A’Tuin stehen, über die sich die Gelehrten streiten, ob sie nun männlichen oder weiblichen Geschlechts sei und wohin sie denn so langsam aber beständig durchs Multiversum krieche. Natürlich umkreist auch eine Sonne die Scheibenwelt, und zwar auf so komplizierter Bahn, daß immer mal wieder ein Elefant ein Bein heben muß, um sie durchzulassen, wodurch auf der Scheibenwelt die Jahreszeiten entstehen.

Die wichtigste Stadt der Scheibenwelt ist Ankh-Morpork, die „älteste, größte und schmutzigste aller Städte“, durchzogen vom Fluß Ankh. Dementsprechend hat man sich auch die Einwohner der Stadt vorzustellen. Allerdings gibt es neben diversen Taschendieben, Halsabschneidern, Meuchelmördern, Puffmüttern und Warzenbesprechern noch etwas in der Stadt, das ihren Ruf ein wenig hebt: die Unsichtbaren Universität. die alle Zauberer der Scheibenwelt ausbildet. Und hier befindet sich auch die größte thaumaturgische Bibliothek. Bei soviel geballter thaumaturgischer Energie kann es schon mal vorkommen, daß Ameisen zu recht abenteuerlichen Figuren mutieren, Wasserspeier Flügel bekommen, oder der Bibliothekar in einen Orang-Utan verwandelt wird. (nach Neumann/Hoppe)

Die Aufführungen

... fanden von 20.–23. Juli 2001 in der Glückstraße 3 statt. Es wirkten mit:

Leonal Felmet Benjamin Pommerrenig
Lady Felmet Anya Filipp
Geist des Königs Verence Klaus-Dieter Schuh
Narr Frank Farnschläder
Wachen Christian Kallenbach
Hannes Egger
Quirin Guillery
Stephan Nestel
Soldaten Hannes Egger
Quirin Guillery
Tomjon Stephan Nestel
Hwel Christian Kallenbach
Vitoller Klaus-Dieter Schuh
Bedlin Stephan Klemt
Gummirippe Petra Eckardt
Wimsloe Florian Stadler
„Du bist tot!“ Fabian Guillery
Hexen Eva Egger
Micha Kraus
Claudia Kreß
Astrid Obermann
Räuber Fabian Guillery
Hannes Egger
Quirin Guillery
Bäuerin Micha Kraus
Dämon Astrid Obermann
Maske Claudia Egger
Technik Tobias Hopfner
Florian Stadler
Souffleuse Agnes Krysinski
Regie Fabian Guillery

Trennzeichen

In den letzten Semestern erschien in den Erlanger Nachrichten schon vor der letzten Aufführung eine (meist positive) Kritik. Diesmal war es nur ein kurzer Bericht, und er erschien erst am 25. Juli 2001, also nach den Aufführungen.

Dreifache Hexerei

AMV Fridericiana spielte Pratchetts „Seltsame Schwestern“

Was brauchen drei Frauen, wenn sie zaubern wollen? Ein Nudelholz, Waschpulver, eine Scheuerbürste und ein Waschbrett. Blödsinn? Keineswegs. Zumindest nicht in Terry Pratchetts „Seltsame Schwestern“ (im englischen Original „Wyrd Sisters“), inszeniert von der Akademisch-Musikalischen Verbindung (AMV) Fridericiana.

Theateraufführungen haben bei der AMV eine lange Tradition, und auch bei diesem Stück wird deutlich, wieviel Mühe sich die Beteiligten gemacht haben. Worum geht es? Verence, der König von Lancre (Klaus-Dieter Schuh), ist tot, und sein Mörder - und Neffe - wird neuer König (Benjamin Pommerrenig). Er ist schlecht für das Königreich, und zwar nicht nur für seine Untertanen, sondern auch für das Land und dessen Seele, die die bekannte Hexe Wetterwachs (Claudia Kreß) mittlerweile in Unruhe spürt. Der wahre Thronerbe, Verences Sohn Tomjon (Stephan Nestel), ist zu seinem eigenen Schutz zu einer Schauspielertruppe gegeben worden. Doch nun könnte man ihn gut zur Rettung des Königreichs brauchen. Doch bis er alt genug ist, würde zuviel Zeit vergehen. So wagen Oma Wetterwachs und ihre Hexenschwestern Nanny Ogg (Ulrike Drechsler) und Magrat Knoblauch (Diana Kapfenberger) ein Experiment. Sie schicken ein ganzes Königreich 15 Jahre in die Zukunft.

Zwar erinnert das Stück an Shakespeares „Macbeth“, aber Shakespeares Hexen sind nicht im entferntesten mit denen Pratchetts zu vergleichen. Alle drei verkörpern unterschiedliche Frauenbilder: Da ist die alte Granny Wetterwachs (überzeugend gespielt von Claudia Kreß), sehr dominant und äußerst selbstbewußt. Die Hexe Nanny Ogg vertritt die traditionelle Frauenrolle als Mutter und Fürsorgerin. Die dritte Hexe im Bunde wirkt hingegen naiv und weltfremd. Sind Frauen Hexen? Nicht unbedingt. Granny Wetterwachs, die auch den Männern weit überlegen ist, scheint die einzig wahre Hexe zu sein, die richtig zaubern kann.

Rainer Windhorst