Theater im Sommersemester 1994

Eine Über­sicht über die letz­ten Auf­füh­run­gen der The­a­ter­grup­pe fin­den Sie auf der The­a­tersei­te.

Das Stück

Es wurde Die Schule der Diktatoren von Erich Kästner gegeben. Die Komödie aus dem Jahr 1957 zeigt vier politische Drahtzieher, die einen Diktator steuern. Für den Fall, dass dieser nicht mehr spurt oder einem Attentat zum Opfer fällt, haben sie eine Schule der Diktatoren gegründet, in der sie Diktatoren gleich auf Vorrat drillen. Alle Schüler sehen gleich aus, haben die gleiche Mimik und die gleiche Sprechweise. Es gibt aber einen getarnten Freiheitskämpfer unter den Zöglingen, der eines Tages an die Reihe kommt …

Der Autor

Erich Kästner (* 23. Februar 1899 in Dresden; + 29. Juli 1974 in München) war ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Kabarettist, der breiten Kreisen der deutschen Bevölkerung vor allem wegen seiner humorvollen, scharfsinnigen Kinderbücher und seiner humoristischen bis zeitkritischen Gedichte bekannt ist. (Quelle: Wikipedia)

Auf und hinter der Bühne

Doris Alexandra Freidl
Der Premier Christian von Normann
Ein Hausierer Christian Wetzel
Der Professor Christian Wetzel
Der Nuntius Christoph Merklein
Ein Buchhalter Christoph Merklein
Ein Matrose Clemens Heydenreich
Der Inspektor Frank Farnschläder
Der Kriegsminister Geedo Paprotta
Der Vierte Frank Farnschläder
Der Fünfte Clemens Heydenreich
Der Sechste Torsten Seeger
Der Siebente Kai S. Guenzel
Der Achte Simon Amesöder
Der Neunte Hannes Egger
Eine Wache Hannes Egger
Der Major Heiko Knoll
Der Stadtkommandant Markus Ambrosy
Stella Nicole Schymiczek
Der Leibarzt Ralph Utz
Eine Witwe Shadi Nouyan
Der Doyen Simon Amesöder
Ein Arbeiter Stefan Mayer
Der Präsident Torsten Seeger
Frau des Präsidenten Ute Kaufmann
Tochter des Präsidenten Dagmar Stötzer
Pauline Ute Kaufmann
Theaterwart Matthias Knoll
Regie Carina Drews
Regiehospitanz Kai S. Guenzel
Souffleuse Michaela Bokholt
Technik, Bühne, etc. Andreas Brostmeyer
Carsten Bokholt
Michaela Bokholt
Kai S. Guenzel

Am 27. Juli 1994 schrieben die Erlanger Nachrichten:

Vor Staatshörigkeit wird gewarnt

Erich Kästners Komödie „Die Schule der Diktatoren“, aufgeführt von der Theatergruppe der AMV Fridericiana

Die Idee hat etwas Tröstliches. Wo alles austauschbar, marionettenhaft zu sein scheint, Menschen kein eigenes Gesicht, geschweige eine eigene Meinung, besitzen, lohnt es sich, auf Vorrat zu produzieren. So kommt man nicht in die Verlegenheit einer quälenden Nachfolgekür, falls es einmal Ausfälle geben sollte. Gleich mehrere Kandidaten stehen Gewehr bei Fuß, um die bedauerliche Lücke zu schließen.

Erich Kästner spielte diesen Gedanken mit einem sehr einleuchtenden Beispiel durch. In seiner „Schule der Diktatoren“ lernt sich ganz einfach, wie man sich mit populistischen, emotional aufgeheizten Phrasen an der Spitze des Staates halten kann.

Wohlfeile Reden

Der Moralsatiriker entlarvt die mechanistischen Attitüden und Spruchblasen von Staatsoberhäuptern als Produkte einer durchtriebenen Clique im Hintergrund. Das Volk will es ja nicht anders und bekommt, wonach es verlangt: einheitlich geklonte Präsidenten, die entsprechend medizinisch vorbehandelt, gestanzte Rundfunkansprachen und wohlfeile Reden schwingen, ohne etwas zu sagen.

Doch ganz so harmlos ist die Sache nun auch wieder nicht. Immerhin entstand die Komödie in neun Bildern, die der Autor ausdrücklich nicht als satirisches Stück verstanden haben will, auf dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus. Keine Erklärung für das Fehlmodell Hitler, aber eine eindeutige Warnung vor allzu serviler Staatshörigkeit.

Nun brachte die rührige Theatergruppe der Fridericiana das 1956 uraufgeführte Werk auf ihre kleine Bühne. Große Mühe war in Kostüm-, Licht- und Bühnengestaltung investiert worden, mit gleicher Sorgfalt hätte die Regisseurin Carina Drews auch an der Sprachschulung ihres großen Ensembles feilen dürfen. Zahlreiche Betonungsfehler, Textunsicherheiten und undeutliches Artikulationen waren bei der Premiere auszumachen und beeinträchtigten die szenische Qualität empfindlich. Bezeichnend, daß AMV-Jüngling Clemens Heydenreich (als Dürenmatt-Interpret am Fridericianum noch in guter Erinnerung) in seiner Matrosennebenrolle noch die spielerisch stärksten Akzente setzen konnte.

Thema bleibt aktuell

Andere Akteure kamen in der zweistündigen Inszenierung nicht über mäßiges Amateurniveau hinaus. Am ehesten überzeugten noch Christian Wetzel (Professor), Kai Guenzel als siebter Präsidentenkandidat und Ute Kaufmann in der Rolle der Pauline. Natürlich lassen die Ausmaße des AMV-Podiums auch wenig Freiraum zu. Dennoch. Das Thema bleibt aktuell, und an Bonmots fehlt es auch nicht. Beispiel gefällig? „Der Instinkt der Frauen und die Landeswetterwarte irren sich fast nie.“

j.v.

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